Interview avec Jessica Kundert

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Pendant sa carrière active, un athlète concentre tous ses efforts sur ses résultats et pense rarement à sa couverture sociale. Jessica Kundert, une spécialiste en assurances sociales, a la chance de posséder une couverture sans failles, mais elle avoue que c’est seulement grâce à un heureux concours de circonstances.

Frau Kundert, wie sind Sie zum Skeleton gelangt?

Zunächst war ich Leichtathletin. Im Jahr 2001, also im Alter von 20 Jahren, lud der dreifache Skeleton Weltmeister Gregor Stähli zwei Kolleginnen und mich zu einem Probetraining ein. Obwohl ich bei dieser ersten Fahrt stürzte, hat mich der Adrenalinkick gepackt und ich bin dem Sport treu geblieben. Dank meiner Sprintstärke, die ich in der Leichtathletik erworben hatte, erreichte ich immer gute Startzeiten. So kamen bald erste Erfolge und 2004 gewann ich in Winterberg die Bronzemedaille an den Junioren-Weltmeisterschaften.

Skeleton ist eher eine Randsportart. Wie haben Sie Ihren Lebensunterhalt bestritten?

Ich spreche lieber von kleinen Sportarten, aber ja, Randsportart ist geläufiger. Immerhin ist Skeleton olympisch, das hilft bei der Sponsorensuche. Skeleton ist ein Wintersport. Das heisst, von Oktober bis März finden Trainings auf Eis und Rennen statt. Dann bleibt keine Zeit, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Im Sommerhalbjahr kann dafür gearbeitet und parallel die Athletik trainiert werden. Ich hatte das Glück, Unterstützung durch meinen Arbeitgeber zu erfahren. Die Trianon stellte mich mit einem Jahresvertrag an, gewährte mir im Winter aber bezahlte Ferien. So hatte ich jeden Monat meinen Lohn und konnte meine laufenden Kosten decken. Im Gegenzug trug ich das Logo der Firma auf all meinen Sachen, so war das auch eine Form des Sponsorings.

Reichte das, um alle Ausgaben zu decken?

Nein, natürlich nicht. Eine Skeleton-Saison kostet rund 50’000 Franken. Dazu gehören die Reisen an die Trainings- und Wettkampforte, die Hälfte davon in Übersee. Auch die Bahn- und Startgebühren gehen mit rund zirka 40 Franken pro Fahrt ins Geld. Schliesslich kostet auch die Ausrüstung, also Schlitten, Kufen, Anzüge und so weiter.

Haben Sie sich auch um Ihre Sozialversicherung gekümmert?

Wenn ich ehrlich bin, nein. Und das ging nicht nur mir so, sondern auch vielen anderen Sportlerinnen. Dank meiner ununterbrochenen Anstellung habe ich aber immer Beiträge für die 1. und 2. Säule entrichtet und war über meinen Arbeitgeber auch unfallversichert. Für den Fall eines Unfalls habe ich auch im Winter immer wieder ein paar Tage gearbeitet, damit der letzte Arbeitstag nicht zu lange her gewesen wäre, falls es zu einem Unfall gekommen wäre. Skeleton gehört glücklicherweise nicht zu den sogenannten Risikosportarten.

Und, gab es Unfälle in Ihrer Karriere?

Ja, ich habe so manches Spital auf der Welt kennengelernt. Glücklicherweise waren es während meiner Karriere nur Unfälle, die Heilkosten verursachten, ich war aber nie auf Unfalltaggelder angewiesen und wurde auch nicht sportinvalid. Hingegen habe ich mir kurz nach meiner Skeletonkarriere an einem Fussball-Grümpelturnier die Kreuzbänder gerissen. Damit kämpfe ich nach fünf Operationen noch bis heute.

 

Dank meiner Sprintstärke, die ich in der Leichtathletik erworben hatte, erreichte ich immer gute Startzeiten.

Haben Sie auch auf den Sponsorengeldern Sozialversicherungsbeiträge bezahlt?

Anfangs nicht. Daran denkt ja niemand. Ich hatte zwar ebenfalls in Form eines Sponsorings eine Kollegin respektive Treuhandfirma, die für mich (Einzelfirma) die Buchhaltung machte. Dabei lag der Fokus aber vor allem darauf, die Einnahmen mit den durch den Sport bedingten Ausgaben möglichst gut gegenzurechnen, damit am Ende ein möglichst tiefer Gewinn und entsprechend tiefe Steuern resultierten. An die Sozialversicherung hat aber niemand gedacht.

Aber später?

Bereits nach meinem Karriereende, als ich in der Ausbildung zur Sozialversicherungsfachfrau war, bekam ich einen Brief von der kantonalen Ausgleichskasse. Sie hatten meine Einkünfte aus dem Sponsoring als selbständige Erwerbstätigkeit eingestuft und forderte entsprechende Beiträge nach. Allerdings zu hohe, denn sie verlangten den Mindestbeitrag, statt den tiefsten Satz nach Beitragsskala anzuwenden. Sie hatten nicht berücksichtigt, dass ich ja immer auch angestellt war und somit auch immer mindestens den Mindestbeitrag entrichtet hatte.

Heute arbeiten Sie in der HR-Branche und haben zusätzliches Wissen zu Sozialversicherungen erworben. Was würden Sie rückblickend anders machen?

Ich würde bestimmt mehr Wert auf meine Sozialversicherungsdeckung legen. Angefangen bei der Anmeldung bei der Ausgleichskasse. Die sind nämlich sehr hilfsbereit und beraten einen, wenn man auf sie zugeht. Aber auch die Unfall- oder eine Krankentaggeldversicherung würde ich rückblickend genauer anschauen. Schliesslich hätte ich sicher früher angefangen, in die 3. Säule einzuzahlen. Das Geld dafür wäre nämlich bei mir und vermutlich auch bei meinen Mitstreiterinnen vorhanden gewesen, man hätte nur den entsprechenden Budgetposten dafür reservieren müssen.

Gab es denn niemanden, der Sie während Ihrer Karriere bezüglich Sozialversicherungen beraten hat?

Nein, wer sollte das denn sein? Wenn man nicht im direkten Umfeld eine Fachperson hat, geht das vergessen. Als Athletin hat man einen anderen Fokus: Trainieren, Wettkämpfe, das Notwendigste finanzieren, Sponsoren suchen. Es wäre aber schön, wenn die Athleten wenigstens auf die Sozialversicherungsfrage aufmerksam gemacht würden, zum Beispiel von den Sportverbänden oder Vereinen.

 

 

Jessica Kundert-Kilian ist 37 Jahre alt, verheiratet und erwartet ihr erstes Kind. Ursprünglich in der Finanzbuchhaltung tätig, hat sie sich nach der Skeleton-Karriere im HR- und Sozialversicherungsbereich weitergebildet. Sie hat das CAS Payroll Expert sowie den Fachausweis zur Sozialversicherungsfachfrau absolviert. Zurzeit arbeitet sie als Payroll Expert bei CREALOGIX.