«Prévoyance Professionnelle Suisse» 09/19 - Interview

Un tabou brisé pour endiguer la redistribution dans la LPP

Les solutions d’assurance complète restent en forte demande, mais elles sont difficilement finançables dans le contexte actuel. Propos recueillis lors d’une interview avec Donald Desax, Responsable Prévoyance Professionnelle chez Helvetia, à propos des obligations entrepreneuriales, des pertes de conversion et d’une manœuvre nocturne.

Helvetia reste derrière le modèle d’assurance complète. Pour quelle raison?

Depuis l’introduction de la LPP, les assureurs-vie et leur solution à garantie ont toujours joué un rôle crucial pour les PME. Et cela n’a pas changé entretemps: même si les conditions sont menacées, de nombreux entrepreneurs marquent toujours une nette préférence pour la solution à garantie. La récente sortie du modèle par AXA en a fourni une nouvelle preuve: plutôt que d’accepter une solution semi-autonome, de nombreux clients ont opté pour un autre prestataire offrant une assurance complète. Et ils ont fait ce choix tout en sachant que la solution avec garantie coûte plus cher. Quand une demande existe, l’industrie doit être capable de répondre à ce besoin.

A n’importe quel prix?

Le financement doit être conçu de manière à permettre aux PME de s’assurer à des conditions raisonnables. Le maintien de la solution avec garantie est une profession de foi de notre entreprise face à une demande du marché suisse.

Sie offerieren aber auch eine teilautonome Lösung.

Ja, gut 40 Prozent der Versicherten von Helvetia haben diesen Weg gewählt. Beim Neugeschäft liegt die Quote noch viel höher. Wir kennen also beide Welten. Wir wollen den Kunden, das KMU wählen lassen, je nach seiner Risikobereitschaft.

Das unternehmerisches Bekenntnis zur Vollversicherung fiel bei Ihnen deutlich schwächer aus als bei ihrem grössten Mitbewerber, der Swiss Life. Helvetia profitierte im Neugeschäft viel weniger vom Ausstieg der AXA. Wie erklären Sie das?

Vom Neugeschäft in der Garantielösung kamen 90 Prozent von der AXA. Im teilautonomen Bereich, der sehr stark wuchs, kamen 60 Prozent der Neukunden von der AXA. Während wir bei unserer teilautonomen Lösung die Schotten weitgehend offen hatten, standen wir bei der Garantielösung letztes Jahr auf der Bremse.

Nun haben Sie eben von einem unternehmerischen Bekenntnis und einer quasi hehren Pflicht gegenüber den KMU gesprochen, die Nachfrage nach Vollversicherung zu stillen. Wie passt das zusammen?

Wir wären dem gerne nachgekommen und hätten mehr Gas gegeben, nur konnten wir dies aus zwei Gründen nicht: Erstens muss man viel Geld neu anlegen, wenn man viel Neugeschäft macht. Im aktuellen Umfeld ist dies im Korsett, das für Garantielösungen durch den Swiss Solvency Test vorgegeben ist, enorm schwierig. Man denke nur an die Renditen sicherer Obligationen. Hätten wir in ähnlichem Umfang wie die Swiss Life Neukunden in die Vollversicherung aufgenommen, so hätten wir die bestehenden Anlagen enorm verwässert, zulasten derjenigen Kunden, die bereits bei uns versichert sind.

Und zweitens?

Zweitens wussten wir nicht, ob die Finma unsere neuen Tarife genehmigt. Dieser Prozess dauerte länger, weil wir einen Umbau des Modells im Bereich des Umwandlungssatzes vornehmen. In der Offertphase hingen wir daher in der Luft.

Wie sieht der Umbau Ihrer Vollversicherungslösung aus?

Unsere Umwandlungssätze sind nach Obligatorium und Überobligatorium getrennt. Das bleibt auch so, aber wir haben das sogenannte Anrechnungsprinzip wie es bei den Pensionskassen üblich ist eingeführt. Der Umwandlungssatz fürs Überobligatorium sinkt schrittweise bis 2023 auf 4.4 Prozent, fürs Obligatorium senken wir den Satz schrittweise auf 6 Prozent.

Ihr Unternehmen führt den Claim «einfach.klar». Ist es denn klar und einfach erklärbar, dass Sie einen obligatorischen Umwandlungssatz definieren, der unter dem obligatorischen Mindestumwandlungssatz liegt?

Ja, natürlich. Das Anrechnungsprinzip ist aus der Welt der teilautonomen und autonomen Pensionskassen bekannt und vertraut. Hätten wir auf einen einheitlichen, umhüllenden Satz gewechselt, was wir geprüft haben, läge dieser wohl im Jahre 2023 bei etwa 5 Prozent. Dies hätte eine Erhöhung des bisherigen überobligatorischen Umwandlungssatzes bedeutet, was wir vermeiden wollten. Zudem kann man im Splitmodell rascher auf eine Senkung des BVG-Umwandlungssatzes reagieren – eine Hoffnung, die mit dem BVG-Reformvorschlag der Sozialpartner wiederauflebt. Den bestehenden überobligatorischen Satz können wir auch aus regulatorischen Gründen nicht mehr viel weiter senken. So blieb nur der Weg, den wir nun einschlagen, um die Umverteilung von Erwerbstätigen zu Rentnern einzudämmen.

Was bedeutet das in Zahlen?

Letztes Jahr betrugen die Verrentungsverluste 166 Mio. Franken, was 0.8 Prozent des Kapitals entspricht. Projektionen zeigen, dass sich die Verrentungsverluste bis 2030 verdreifachen, wenn wir nichts unternehmen. Diese Kosten lassen sich bei den aktuellen Kapitalmärkten nicht mehr finanzieren. Mit dem Anrechnungsprinzip im Split-Modell können wir die Verrentungsverluste stabilisieren – nicht eliminieren, wohlgemerkt. Selbstverständlich führen wir im Übrigen auch eine BVG-Schattenrechnung und zahlen immer mindestens die BVG-Renten aus. Der Umwandlungssatz von 6.8 Prozent auf dem Obligatorium ist also in jedem Fall garantiert.

Für die Versichererwelt bedeutet die Anwendung des Anrechnungsprinzips einen Tabubruch.

Das Anrechnungsprinzip ist in der autonomen Welt seit längerem verwurzelt, in den Garantielösungen der Lebensversicherer fand es bisher keine Anwendung. Offenbar fehlte uns Lebensversicherer einfach die Phantasie um in Analogie zur autonomen Welt diesen Tabubruch ins Aug zu fassen.

Was sagte die Finma dazu?

Nach anfänglicher grosser Skepsis kam auch die Finma zum Schluss, dass nichts gegen das Anrechnungsprinzip in der Vollversicherung spricht, weshalb sie den neuen Tarif genehmigte.

Bei der Erklärung des neuen Modells kam Ihnen nicht gerade Freund Zufall, aber Freund überraschendes Zustandekommen eines Kompromisses zu Hilfe, sieht doch der Sozialpartnervorschlag just eine Senkung des Umwandlungssatzes auf 6 Prozent vor.

Es freut mich auch persönlich sehr, dass die Sozialpartner einen Kompromissvorschlag zustande bekamen. Wir haben nach Bekanntwerden intern in einer Nachtübung die Eckwerte überarbeitet: Ursprünglich sahen wir als Zielwert im Obligatorium einen Umwandlungssatz von 5.6 Prozent vor, nun sind wir, in Anlehnung an den Reformvorschlag und auch zu seiner Unterstützung, auf 6 Prozent gegangen. Das abweichende Modell des Gewerbeverbandes hat die Idee der Senkung auf 6 Prozent in einem Schritt ja auch übernommen. Die Übereinstimmung unseres Modells mit der für 2021 oder 2022 absehbaren BVG-Reform hilft effektiv, das Modell unseren Kunden besser zu erklären. Wenn die Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes kommt, ändert sich für sie nichts. Im Übrigen bin ich überzeugt, dass auch bei allen anderen Anbietern die Sätze rasch auf 6 Prozent sinken werden, sobald die Reform in Kraft ist.

 

Interview und Fotos:

Kaspar Hohler, Chefredaktor «Schweizer Personalvorsorge»
Judith Yenigün, Redaktorin «Schweizer Personalvorsorge»

In der Oktoberausgabe der «Schweizer Personalvorsorge» lesen Sie ein ausführliches Interview mit Donald Desax.