«Schweizer Personalvorsorge» 02/19: Pensionskassen als Dienstleister der Versicherten

«Pensionskasse? Das ist interessant...»

Fast alle, die arbeiten, haben eine Pensionskasse. Dennoch hält sich das Interesse für dieses Thema in der Bevölkerung in Grenzen. Wir wollten wissen, wie Herr und Frau Schweizer den Dialog mit ihrer Kasse empfinden und gingen auf die Strasse. Eine Umfrage im Schneegestöber.

Kurz vor Mittag in der Luzerner Innenstadt, viele Menschen sind trotz Kälte und Schneetreiben unterwegs, sie warten auf den Bus oder eilen Terminen entgegen. Die Aufgabe scheint relativ einfach, zumal wir wissen, dass die meisten Menschen eine Pensionskasse haben.

«Haben Sie fünf Minuten Zeit für eine Umfrage?!»
«Betreffend?», fragt eine ältere Dame interessiert.
«Ihre Pensionskasse!», sagt der Reporter.
«Schon gut, danke!»

Die Journalisten sammeln freundliche Absagen am Laufmeter.Es ist offenbar nicht ein Thema, über das Herr und Frau Schweizer gerne sprechen. Für einige ist es noch weit weg, oder falls sie informiert sind, eher belastend.

Der Mann um die 30 im Eingang des Kino Metropol ist als Oberstufenlehrer gut informiert. Er ist auch auskunftsfreudig. Aber er hat ein Problem: Sein Foto darf nicht ins Internet! Kein Problem für uns, denn der Mann hat Zeit und etwas zu sagen, wenn auch anonym: «Ich erwarte von meiner Pensionskasse, dass sie nicht hopsgeht, solange ich einzahle.» Solange Frau und Kind versorgt sind beziehungsweise sein Einkommen versichert ist, sind die Erwartungen des Lehrers an die 2. Säule erfüllt: «Ich setze nicht so fest auf die berufliche Vorsorge, zahle aber auch in die 3. Säule ein.» Was sein weiteres Informationsbedürfnis betrifft, so ist das mit dem jährlichen Vorsorgeausweis völlig erfüllt. Wenn das Dokument statt mit der Briefpost per E-Mail versandt würde, wäre das für ihn allerdings ein Plus an Servicequalität. Nun kommt aber der Bus, die fünf Minuten sind um.

HR im öffentlichen Dienst

Der nächste Passant ist als HR-Berater im öffentlichen Dienst ebenfalls gut informiert und gut versichert. André Wyss hat auch kein Problem, mit Foto und Namen Auskunft zu geben. Der 48-Jährige hat im Beruf fast täglich mit Fragen der beruflichen Vorsorge zu tun. Er erwartet von der Pensionskasse, dass sie kompetent Auskunft geben kann auf Versichertenfragen, sei das zu einem WEF oder zu Fragen betreffend Beiträgen. Wir fragen, ob es wichtig sei, dass ein Mensch die Versicherten der Kasse persönlich informiere. «Ja, der persönliche Kontakt ist wichtig, das ist bei meiner Pensionskasse gut gelöst. Wichtig ist, dass sich die PK Zeit nimmt für die Information, weil es ist schon anspruchsvoll.» Die Leistungen der PK interessieren Wyss dagegen weniger, das sei noch zu weit weg. Er hat Verständnis für jene Leute, die sich überhaupt nicht für ihre Pensionskasse interessieren. Die Information per Post sei ausreichend, doch gegen eine digitale Lösung, etwa einen Download über eine App, hätte er nichts einzuwenden. Ein Merkblatt mit den Änderungen der Parameter seiner Kasse, das beim letzten Versand beilag, hat Wyss mit Interesse gelesen und die Information geschätzt. «Sie machen es gut», so sein Fazit.
Im Mittags-Rushhour sind die Leute weniger auskunftsfreudig. Eine Dame um die 60 ist zwar informiert, da sie mit ihrem Mann kürzlich in einer Pensionierungsberatung war. Doch sie hat das Thema «bis hier oben», wie sie freundlich aber bestimmt sagt.

Nächster Halt: Zug

In Zug treffen wir einen Rentner, der sich gerne fünf Minuten Zeit nimmt für unsere Umfrage. «Pensionskasse? Das ist interessant!», sagt Max Schweizer. Der 68-jährige pensionierte frühere Bundesangestellte weist die Fachjournalisten darauf hin, dass die Kantone unterschiedliche Abzüge vornehmen würden, wenn Rentner im Ausland lebten. Ihn ärgert das, weil solche Rentenverminderungen unbegründet und willkürlich seien: «Das kann doch nicht der letzte Gruss sein!» Das Wichtigste sei für ihn als Rentner  aber, dass die Pensionskasse ihre erste Aufgabe erfülle: «Sie muss mein Geld, das mir zwangs-abgezogen wurde, vernünftig verwalten.» Das sei leider nicht selbstverständlich, moniert der Pensionär, wie die gravierende Geschichte im Kanton Zürich zeige. Den Informationsaustausch und die Administration vernünftig zu organisieren, hält er dagegen für keine Hexerei. Digitale Tools oder ein Versand per E-Mail sind für den Rentner vorderhand unnötig: «Der Vorsorgeversand per Post ist zur Zeit noch absolut in Ordnung.» Zumal man auch vom Versicherten erwarten dürfe, dass er sich vertieft mit der Materie auseinandersetze. Denn diese sei nicht ohne, sagt Schweizer: «Ein normaler Bezüger versteht das nicht zwingend.»

Jung, aber gut im Bild

Die Strassenumfrage wird in der berühmtesten Einkaufsmeile des Landes fortgesetzt. An der Zürcher Bahnhofstrasse geht es wortwörtlich geschäftig zu und her, doch die meisten Menschen sind Touristen, Banker oder sie sprechen kein Deutsch. Kein guter Zeitpunkt für eine Umfrage zur Servicequalität der 2. Säule. Wobei die Ausnahme die Regel bestätigt. Die 36-jährige Rea Schafer ist von Beruf Primarlehrerin und macht sich keine Sorgen um ihre 2. Säule: «Ich habe keine Angst vor der Zukunft.» Ihre Pensionskasse habe schlicht keine Priorität in dieser Lebensphase, zumal sie noch nie 100 Prozent gearbeitet habe. Ein klein wenig plagt sie das schlechte Gewissen, weil sie sich nicht vertieft mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Den Vorsorgeausweis lesen, doch, das darf man voraussetzen. Als ihre Kasse neulich drei Optionen für Sparpläne offerierte, entschied sie sich für den Default: «Das ist genug.» Und überraschenderweise zieht die Vertreterin der jüngeren Generation den Versand per Briefpost vor: «Die Post ist persönlicher, eine E-Mail würde ich wohl eher einfach wegklicken und gar nicht lesen.» Wie man sie dagegen eher erreichen könnte, wäre per SMS. Oder doch über eine App? Die Info auf dem Smartphone, das habe schon was, auch für Versicherte der beruflichen Vorsorge. Doch dann muss Frau Schafer weiter, aufs Tram, zum nächsten Termin. Eins hat sie schon ausgelassen, der Vorsorge zuliebe.

Text: Claudio Zemp, Redaktor «Schweizer Personalvorsorge»
Fotos: Gregor Gubser, stv. Chefredaktor «Schweizer Personalvorsorge»

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