Schweizer Personalvorsorge 11/19

Der Charme der Nische

Nischen gibt es überall. In der Politik zieht mit den Grünen gerade eine frühere Nischenpartei an etablierten Parteien vorbei. Was zeigt: Was heute Nische ist, kann morgen Standard sein – und umgekehrt, wie es etwa im technischen Bereich oft zu sehen ist. So war über Jahrzehnte in der Telefonie das Festnetz das Mass aller Dinge, heute ist das Mobiltelefon der Standard und der Festnetzanschluss zum «nice to have» geworden.

Nicht jede Nische hat aber das Potenzial zur Grösse. So haben sich etwa im Pflanzen- und Tierreich viele Lebewesen sehr spezifische ökologische Nischen ausgesucht, in denen sie auch bleiben. Der Eisbär hat nicht die Ambition, die ganze Welt zu bevölkern. Auch in der Geschäftswelt gibt es Nischen, die Nischen bleiben werden. So können etwa, womit wir uns dem Akzentthema dieser Ausgabe nähern, Logistikbauten an Bedeutung gewinnen oder verlieren, die Art und Weise ihrer Nutzung mag sich über die Jahre enorm verändern – sie bleiben aber eine Nische, werden im Markt also nie die Wichtigkeit erhalten, die Wohn- oder Büroliegenschaften haben. In der Schweiz. Womit wir bei einem weiteren Charakteristikum von Nischen sind: Sie haben nicht nur eine zeitliche oder wirtschaftliche Dimension, sondern auch eine geografische. ­Global denken viele Investoren bei Nischen im Immobilienbereich eher an Wohnliegenschaften als an Logistikbauten, die als Standardinvestment gelten. 

Ob eine Immobilie nun das Etikett «Nische» trägt, ist für den Investor nicht entscheidend. Vielmehr kommt es für Pensionskassen im aktuellen Markt­umfeld darauf an, mit offenen Augen und einem gesunden Mass an kritischem Denken alle Gelegen­heiten auf dem Immobilienmarkt 
zu prüfen. Die Suche darf dabei durchaus im eigenen Portfolio ­beginnen, sprich bei Investitionen 
in den eigenen Bestand. Nicht nur ­Nischen gibt es überall, sondern auch Gelegenheiten.

Inhaltsverzeichnis

 

Blick ins Heft

Spezielle Objekte und spezielle Nutzungen im Schweizer Immobilienmarkt

Wenn Pensionskassen sich im Immobilienbereich in neue Themen und ­Objekte vorwagen, können gängige Vorstellungen durcheinandergeraten: Nicht alle Nischennutzungen bedingen Spezialimmobilien, andererseits können klassische Nutzungen wie Büros zu Ladenhütern werden.
 

Wie der ideale Mix aussieht

Diversifikation auf dem Schweizer Immobilienmarkt: Lässt sich auf einem kleinen Markt wirklich eine Diversifikation über einzelne Segmente und Regionen erzielen? Die Antwort heisst einmal ja und einmal eher nein. In Sachen regionaler Diversifizierung zeigt sich zudem eine kleine Überraschung.
 

Ein Schritt in neue Risiken

Bewirtschaftung aus Sicht des Anlegers: Bei einer Investition in Spezialliegenschaften stellt sich für den ­Anleger die Frage, ob er diese ohne spezifisches Know-how in der Bewirtschaftung solcher Immobilien tätigen kann.