Schweizer Personalvorsorge 03/19

Wieviel ist gerecht?

Wie simpel scheint die Welt der Autoversicherer: Es gibt rüstige Lenkerinnen und Lenker, die seit 50 Jahren unfallfrei fahren. Sie zahlen brav ihre Versicherungsprämien, obwohl sie nie einen Rappen Leistung beziehen. Und niemand jammert über Umverteilung.

Die Analogie mag hinken, denn in der beruflichen Vorsorge sind die Dinge oft etwas komplexer. Man muss genau hinhören, gerade bei emotionalen Diskussionen. Die Schlagworte Umverteilung und Solidarität sind politisch gefärbt und werden von links und rechts ins Feld geführt. Doch per se sind beide Dinge weder gut noch schlecht.

Umso interessanter ist die Debatte. Jeder Stiftungsrat muss sich fragen, wieviel Umverteilung es leiden mag und wieviel Solidarität sich die Pensionskasse leisten kann und will. Die Meinungen darüber können ändern, so wie sich die ökonomische Realität mit der Zeit ändert.

Über lange Sicht gleicht sich vieles aus. Doch angesichts des Reformstaus ist es auch verständlich, dass die junge Generation Fragen stellt. Wieso sinken die Umwandlungssätze? Warum sind die Renten der Eltern höher? Und weshalb wird das Kapital so dürftig verzinst?

Die Antwort auf die stürmischen Fragen der Jugend muss natürlich besonnen ausfallen. Wir hoffen, dass Ihnen der Akzent einige Argumente liefert, um die hitzige Debatte bei Gelegenheit zu entschärfen. Dass die Solidarität in der 2. Säule strapaziert wird, bestreitet niemand. Die rüstigen Lenkerinnen und Lenker lassen grüssen.

Inhaltsverzeichnis

 

Blick ins Heft

Solidarität oder Umverteilung?

Es ist nicht so einfach wie es scheint: Die Solidarität ist die Grundlage jeder Sozialversicherung, doch niemand will unnötige Umverteilung in der Pensionskasse. Das brisante Thema der beruflichen Vorsorge wird in der Märzausgabe ausgeleuchtet.

Ursachen von Umverteilung: Mehr oder weniger umstritten

Einige Solidaritäten in der beruflichen Vorsorge sind unbestritten, während andere zunehmend hinterfragt werden. Stiftungsräte sollten die Ursachen von Umverteilungen kennen und bewusste Entscheide treffen.

«Die Frage lautet vielmehr: Wie weit will man gehen?»

Wo ist die Solidarität in der 2. Säule? Was hat Umverteilung damit zu tun? Und wo ist die Grenze? Roger Baumann, Experte, und Christoph Ryter, Geschäftsführer der MPK, im Gespräch über ökonomische Realitäten, 1e-Pläne und die Möglichkeiten des Stiftungsrats.