Schweizer Personalvorsorge 07/19

0? 1!

In der klassischen Programmierlogik wird alles auf binäre Entscheide heruntergebrochen: 1 oder 0, ja oder nein, dazwischen gibt es nichts. Es ist die Welt des Jackson-Diagramms, in der sich eine Programmstruktur in einem Flussdiagramm aus klaren Entscheidungen darstellen lässt. Unterdessen erobern die Computer immer mehr die schöne Welt der Grauzonen, des Relativen, des Adaptiven, die letztlich auch das menschliche Verhalten ausmachen. Die reine Logik hat ausgedient, dafür eröffnet sich die Welt des Lernens, des Abwägens – und somit die Möglichkeit, sinnvolle ­Lösungen zu suchen. 

Der politische Begriff für sinnvolle Lösungen ist Kompromiss. Und einen solchen ­haben die Sozialpartner bezüglich BVG-Reform gefunden (mehr dazu lesen Sie auf Seite 4). Der Weg, der dazu geführt hat, lässt sich mit demjenigen vergleichen, der hinter dem Machine Learning steht: Es werden fortwährend unterschiedliche Positionen und Resultate miteinander verglichen, gegeneinander abgewogen und entsprechende Entscheide gefällt – die dann wieder in den Prozess des Vergleichens und ­Abwägens eingespeist werden. Die Maschine lernt aus der Vergangenheit. Die 1. BVG-Reform, die gescheiterten Vorlagen zur Umwandlungssatzsenkung und zur Altersreform 2020, aber auch die erfolgreiche sozialpartnerschaftlich geschmiedete UVG-Revision: Lauter Inputs, aus denen sich in diesem Prozess des Human Learning und der Entscheidungsschlaufen innerhalb und zwischen den Sozialpartnern für die neue BVG-Reform lernen liess. 

Am Schluss solch iterativer Prozesse steht in der Schweizer Politrealität dann allerdings doch wieder der gute alte Jackson. Gut möglich, dass auch die mühsam erfeilschte BVG-Reform vor dem Volk und damit an der Wurzel der Programmierlogik landen wird: 0 oder 1.

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