Schweizer Sozialversicherung 02/19

Einer für alle, alle für einen

Alexandre Dumas schrieb 1844 den Roman «Die drei Musketiere», dem der Wahlspruch im Titel entnommen ist. Dort verteidigen der junge Gasco­gner d’Artagnan und die drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis ­König Ludwig XIII. gegen die Intrigen von Kardinal Richelieu. Mit dem solidarischen Ausruf «Einer für alle, alle für einen!» schwören sie, füreinander einzustehen.

Versicherungen und Sozialversicherungen im Besonderen fussen auf Solidarität. Alle beteiligen sich an der Finanzierung und bei entsprechendem Bedarf erhalten auch alle die ihnen zustehenden Leistungen nach im Voraus festgelegten Regeln.

Die Vorstellung einer Solidargemeinschaft hat sich im Lauf der Zeit aber gewandelt. Nicht mehr die Gesellschaft, sondern das Individuum mit seinen Wünschen und Bedürfnissen steht immer mehr im Zentrum. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Sozialversicherungen, die verstärkt individuellen Ansprüchen gerecht werden sollen. Im Fokusteil dieses Hefts zeigen die Artikel beispielhaft auf, wie wichtig Solidarität ist und welche Grenzen allfälligen Individualisierungstendenzen gesetzt sind.

Die Sozialversicherungen sind – anders als Ludwig XIII. – nicht von hinterlistigen Intrigen bedroht, dennoch stehen sie immer wieder unter dem Druck von Partikular­interessen. So sind unsere Autorinnen und Autoren zwar keine Musketiere, dennoch setzen sie sich für die Sozialversicherungen und für deren Weiterentwicklung ein, ohne die Solidarität aus den Augen zu verlieren.

Inhaltsverzeichnis

Blick ins Heft

Von der Familien- zur gesellschaftlichen Solidarität

Werner D. Meier

Lange Zeit wurde die soziale Absicherung durch die Solidarität in der Familie sichergestellt. Im 18. und 19. Jahrhundert folgten erste Privatversicherungen  und Pensionskassen. Im 20. Jahrhundert entstanden schliesslich die gesetzlich geregelten Sozialversicherungen.

Sich nicht in Details verrennen

Andreas Dummermuth

Wenn die Reformen der Sozialwerke den Bedürfnissen der breiten Bevölkerung entsprechen, entsteht Vertrauen. Feinschliff an bloss wünschbaren Detailfragen stabilisiert die soziale Sicherheit nicht.